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Sitten un Gebräuche von Paul Daniel

Veröffentlicht am 29.10.2016

Sitten und Gebräuche in Friedrichsgrätz.

 

Konfirmation war immer an Palmsonntag.

Vor der Konfirmation mussten die Konfirmanden viel lernen, Pastor Klaar war sehr streng. Die Kirche mussten die Konfirmanden selbst auf Hochglanz bringen, viel Wasser musste von den Jungs angeschleppt werden und alles wurde sauber gescheuert. Die Jungs durften mit der Erlaubnis vom Förster aus dem Wald grüne Zweige holen. Die Mädchen mussten die Girlanden flechten mit denen dann die Kirche wunderschön ausgeschmückt wurde. Wer es nicht selbst gesehen hat, kann sich die Schönheit der geschmückten Kirche gar nicht vorstellen. Der Weg vom Pfarrhaus bis zur Kirche wurde für die Konfirmanden mit weißem Sand und Tannengrün bestreut.

Die Konfirmation war für jeden Konfirmanden ein persönlicher Ehrentag, denn ab da zählten sie zu den Erwachsenen. Die Einsegnung in der Kirche dauerte bis Mittag, denn es waren meistens über 40 Konfirmanden. Zum Kaffee waren alle zum Pastor geladen, danach erst gegen 17.00 Uhr wurde in der Kirche das Abendmahl ausgeteilt, ab da galten dann alle Konfirmierten als vollwertige Christen.

 

Die Osterfeiertage begannen schon am Gründonnerstag mit der Abendandacht in der Kirche.

Der folgende Karfreitag war in Friedrichsgrätz der höchste und heiligste Feiertag. Keine weltliche Veranstaltung und keine Feld- oder sonstige Arbeiten wurden verrichtet. Am Karfreitag wurde wenig gegessen. Manche fasteten den ganzen Tag. In der gut besuchten Kirche wurde am Karfreitag immer das heilige Abendmahl gefeiert.

Am Ostermorgen noch vor Sonnenaufgang holten die Mädchen frisches Quellwasser. Damit wurden alle Gesichter der Familienangehörigen gewaschen, besonders natürlich die Gesichter der jungen Mädchen, denn davon sollte man schön werden.

Viele gekochte Eier wurden schon vorher bunt bemalt. Diese wurden dann zusammen mit Schokoladen - und Zuckereiern an Kinder verteilt.

Für junge Mädchen war Ostern eine aufregende Zeit. Die jungen Männer machten sich ein Vergnügen daraus, die Mädchen mit Wasser zu begießen. Auch Brüder taten das bei ihren Schwestern. So manches Mädchen wurde bis in den Bach gezogen und ordentlich “getauft,“ wie man das nannte.

 

Pfingsten wurden die Lauben und Tore mit frischem Laubgrün geschmückt. Die Jugend organisierte meistens Ausflüge in die Umgebung, oder ins „Grüne“ wie man es damals nannte.

 

Am Heiligabend war meistens um 17 Uhr Gottesdienst. Da war die Kirche brechend voll. Die Sitzplätze reichten nicht aus. Bis 1935 war es Sitte, am Heiligabend in der Kirche das böhmische Weihnachtslied „Èas radosti, veselosti“ in Tschechisch zu singen, alle sangen dieses schöne Lied von ganzem Herzen. Als das tschechische Singen von den Nazis verboten wurde, hat es Pastor Klaar und der Organist Dr. Ganse ins Deutsche übersetzt.

 

Nach dem Gottesdienst wurde zu Hause erst das Vieh versorgt. In der Stube stand immer ein schön geschmückter großer Baum aus dem eigenen Wald.

 

Dann kam die Bescherung. Sie fiel bescheiden aus. Ein Teller mit Äpfeln, Nüssen und Pfefferkuchen. Es wurden viele Weihnachtslieder gesungen. Anschließend wurde gegessen. Zuerst ein herrlicher Kartoffelsalat mit Krakauer. Aber was am wichtigsten war, es gab am Schluss Mohnklöße (Makùky)! Ohne die wäre es kein Weihnachten gewesen.

 

Silvester gingen einige jungen Leute zum Tanzen. Wer eine Waffe hatte, der hat damit rumgeschossen, oder es wurde mit Karbid Krawall gemacht. Die Mütter haben derweil die Pfannkuchen gebacken, die ja nicht fehlen durften. Die Mädchen vom Jungmädchenbund feierten Silvester mit der Frau Pastor im Pfarrhaus.

An Neujahr wünschte man den Verwandten und Bekannten reihum ein gutes und gesegnetes neues Jahr.

 

Eine sehr schöne Zeit war für die jungen Mädchen das Federschleißen. Im Winter wurde reihum geschlissen. Dabei wurde viel gesungen, die älteren Frauen erzählten Geschichten, auch gruselige. Dort wurde man auch ungewollt ein wenig aufgeklärt. Junge Männer kamen oft zur Unterhaltung und wirbelten nicht nur die Federn durch.

 

Einen Fasching kannten wir Friedrichsgrätzer nicht. Aber es gab einmal im Jahr einen Maskenball. Viele gläubige Eltern haben jedoch ihren Kindern die Teilnahme am Maskenball nicht erlaubt. Es war ihnen zu weltlich und zu gottlos.

 

Hochzeiten wurden immer groß und in der Regel zu Hause gefeiert. Beim Gang zur Trauung in der Kirche musste sich das Brautpaar mit der Hochzeitsgesell­schaft loskaufen. Das nannte man “satáhnout.“ Zwei Stangen wurden mit einer Schnur verbunden und über die Straße gehalten. Auf die Schnur hängte man farbige Papierschleifen oder die schönen bunten und bunt bestickten Kopftücher der Mütter. Jeder hatte eine Tasse mit Salz in der Hand und nun konnte das Brautpaar kommen. Alle wollten immer auf der linken Seite stehen, denn dort gingen die Männer. Und die hatten meistens die Geldbörse.

Als meine Eltern heirateten wurden von etwa Gleichaltrigen aus Jux Kuchenbleche aufgehängt. Der Bräutigam kam mit Blechmusik. Dann wurden ihm zwei andere hässlich verkleidete “Bräute“ ange­boten. Die Drittewar nun die Richtige. Die Mutter war, wie mir etliche erzählten, eine sehr hübsche Braut. Sie war ja das einzige Mädchen, von den Eltern sehr geliebt und so wurde eine besonders große Hochzeit gefeiert.

 

Jährlich wurde mindestens einmal geschlachtet, bei jedem Schlachten wurde an Nachbarn, Verwandte und Bekannte Suppe mit Graupenwürsten und etwas Wellwurst verteilt.

 

Zweimal im Jahr gab es hinter der Schule einen Vieh- und Jahrmarkt. (Im Dorf gab es viele Viehhändler). In den Schaustellerbuden gab es viele Leckereien, Fässer mit Salzgurken usw. Die Kinder interessierten sich natürlich besonders für die Schiffsschaukeln und das Karussell. 5 Pfennig kostete eine Fahrt. Trotzdem zu teuer für viele Kinder. Denn die Grätzer waren oft arm, aber auch sparsam. Aus der ganzen Umgebung kamen die Besucher und freuten sich mit den Friedrichsgrätzern.

 

Die Felder waren wegen der Sandböden nicht sehr ergiebig. Angebaut wurden hauptsächlich Kartoffeln und Roggen. Nur für den eigenen Verbrauch baute man noch ein wenig Weizen, Hafer, Rüben und Kraut an. Die Felder wurden von jedem Unkraut mit viel Fleiß sauber gehalten. Die Felder waren alle bis zum Erntedankfest abgeerntet. Das Getreide wurde mit einer gemeindeeigenen Dreschmaschine reihum gedroschen. Dabei half man einander aus. Es war, durch den vielen Staub, eine schwere und sehr schmutzige Arbeit. Auch wir größeren Kinder mussten dabei schon tüchtig mithelfen. Sehr gut kann ich mich noch daran erinnern.

Mit großer Dankbarkeit feierte man immer in der Kirche das Erntedankfest. Der Altar wurde mit viel Liebe mit Früchten, Getreide und Brot geschmückt.

 

Juni 2003 Paul Daniel

 

 

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