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Chronik von Hussinetz - Mitgründer Franz Mundil

Veröffentlicht am 29.10.2016

Von Heymann Ehrlich

Hussinetzer Chronik und  Kultur- und Gründungsgeschichte der fünf böhmischen Kolonien bei Strehlen von Heymann Ehrlich


Als im Jahre 1741/42 die Evangelisch-Reformierten in den Österreichischen Staaten wegen ihrer
Konfession mehrseitige Verfolgungen auszustehen hatten, war es der scharfsinnige wie
freidenkende große König Friedrich II., welcher den Evangelisch-Reformierten ein Asyl angeboten.
Dieser Monarch hatte einen doppelten Endzweck im Auge. Einmal die verfolgten Protestanten zu
schützen, zweitens das dünn bevölkerte Schlesien durch Anbau und Industrie sowie Ackerkultur zu
befördern und zu heben.
Das staatliche und soziale Leben und ihre Begründung zu beschreiben, soll die Aufgabe dieser
Arbeit sein, soweit traditionelle Nachrichten es mir gestatten, denn eine eigentliche Chronik
existiert meines Wissens nicht. Die jetzt zur Zeit befindlichen fünf böhmischen Dörfer, nach
Hussitten genannt, alle evangelisch-reformiert, heißen Hussinetz, Ober-, Mittel- und Nieder-
Podiebrad und Pentsch. Später ist auch das Dorf Mehltheuer teilweise hinzugetreten, ist aber nicht
im kirchlichen Verbande mit den erwähnten fünf böhmischen Kolonien. Die vier ersteren
zusammenhängend von etwa einigen tausend Schritten bei Strehlen, Südwest, das fünfte, Pentsch,
¼ Meile gegen Nordwesten. Die geographische Lage der vier zusammenhängenden Dörfer im
Halbkreis ist sehr schön.
Im Jahre 1741, den 19. Dezember, gab der König Friedrich der Große dem reformierten Prediger
Liberda den Auftrag sowie 300 Taler auf Kosten, Einwanderer der evangelisch-reformierten
Christen aus Böhmen nach Schlesien anzusiedeln. Er bewilligte ihnen freie Religionsübung, drei
Jahre frei von Akkise, zehn Jahre frei von allen bürgerlichen Lasten; daß die Handwerker nach
Münsterberg, Frankenstein, Reichenbach, die Ackerbauern nach den königl. Amtsdörfern gegen
billige Pacht Ackerarbeiter sein sollen. Zufolge dessen sind von 1742/43 mehrere Ansiedler nach
und nach, nach Münsterberg und dessen Gegend angekommen. Der König besoldete einen Prediger,
wo die Ansiedler auf dem Rathause in Münsterberg den Gottesdienst gehalten. Im Jahre 1749
verlangten diese Evangelisch-Reformierten wegen Religionsdifferenzen Münsterberg und
Umgegend zu verlassen. Zur selben Zeit waren zwei Vorwerke, die zur Stadt Strehlen gehörten,
zum Verkauf feilgeboten. Durch Unterhandlung ist der Verkauf an die Evangelisch-Reformierte
Gemeinde beschlossen.

Hussinetz

Zufolgedessen haben seine Majestät am 24. Juni 1750 nachstehende Konzession erlassen:
"Wir Friedrich von Gottes Gnaden König in Preussen, Markgraf zu Brandenburg, des Heiligen
Römischen Reichs Erz-Cämmerer und Churfürst, Souverainer und oberster Herzog von Schlesien,
Souverainer Prinz von Oranien, Neufchatel und Velengin, wie auch der Grafschaft Glatz, in
Geldern, zu Magdeburg, Cleve, Jülich, und Crossen Herzog, Burggraf zu Nürnberg, Fürst zu
Halberstadt, Minden Camin, Wenden, Schwerin, Ratzeburg, Ost-Friesland und Meurs, Garf zu
Hohenzollern, Ruppin, der Mark, Ravensberg, Hohenstein, Tecklenburg, Schwerin, Lingen, Büren
und Lehrdam, Herr zu Ravenstein, der Lande Rostock, Stargardt, Lauenburg, Bütow, Arlav und
Breda pp. Thun kund und fügeb hiermit zu wissen, demnach Uns von Unserer Schlesischen
Krieges- und Domainen-Cammer zu Breslau allerunterthänigst vorgetragen worden, welchergestalt
die Evangelisch-Reformirte Böhmische Gemeinde zu Münsterberg sich bei Strehlen zu etablieren
und aunzubauen gesonnen sei und zu dem Ende jetzt gedachter Stadt die ihr zugehörige zwei
Vorwerker in der Altstadt für und um eine Kauf-Summe von Zehntausend fünf Hundert Rthlr.
aubgekaufet habe, Wir auch zu diesem kauf nicht nur Unsere allerhöchste Einwilligung gegeben,
sondern auch den darüber geschlossenen Contract allergnädigst confirmiret, und Wir nun ferner um
Unsere allerhöchste Einwilligung und Ertheilung einer Concessions allerunterthänigst angegangen
worden, womit besagte Evangelisch-Reformirte Böhmische Gemeinde sich mit ihren 142 Familien
auf diesen erkauften Vorwerkern niederlassen, und solche zu einem Dorfe anbauen mögen.
Als wollen Wir Kraft diese aus Souverainer Landesherrlicher Macht und Gewalt besagtter
Reformirten Böhmischen Gemeinde sothane Concession in Verfolg derjenigen, so Wir derselben
bereits vorhin unterm 30. April 1749 aus Unserm Cabinet ertheilen lassen, inallerhöchsten Gnaden
dahin accodieren und verstatten, dass dieselbe die von der Stadt Strehlen erkaufte zwei Vorwerker
für sich und ihre Nachkommen zu einem Dorfe anbauen können und mögen.
Damit auch der Gemeinde dieser Anbau desto mehr facilitiret werde, so haben Wir nicht nur
derselben von denen in Unseren Landen für die böhmischen Emigranten gesammelten Collecten-
Geldern ein Quantum von 1882 Rthlr. 16 Ggr, 7 Pf. zutheilen und wirklich auszahlen, sondern auch
derselben das zu ihrem Anbau benöthigte Holz aus den Strehlen- und Priborn'schen Forsten gegen
Bezahlung des Schlager-Lohns durch Unsere Breslauische Krieges- und Domainen-Kammer
anweisen und verabfolgen lassen.
Und gleichwie Wir dieser Reformirten Böhmischen Gemeinde eine völlige Gewissensfreiheit und
ein freies und ungehinderte Religions-Exercitium hiermit und Kraft dieses allergnädigst verstatten,
also wollen Wir auch derselben zur Uebung und Haltung ihres Gottes-Dienstes die in der
Strehlen'schen Vorstadt gelegene und bisher nicht gebrauchte, sogenannte Altstädter
Begräbnißkirche cum jure parochali und den dabei befindlichen Kirchhof, ingleichen das auf
demselben stehende Todtengräber-Haus, und den zur Kirche gehörigen Acker dergestalt und also
hirmit allergnädigst überlassen und einräumen, daß so lange die bisherigen Kirchen-Vorsteher
leben, solchen von der Gemeidne wegen der vorhin vom Kirchhofe genossen Gräserei und des
Ackers eine Vergütung geschehen, auch Unsern Strehlen'schen Amts-Unterthanen nach wie vor frei
bleiben müsse, ihre Todten nach der bisherigen Gewohnheit auf dem Kirchhofe begraben zu lassen.
Wir bewilligen auch ferner allergnädigst, daß diesen Reformierten Böhmen nicht zugemuthet
werden solle, Leute von einer andern Konfession unter sich aufzunehmen, noch andern, die ihrer
Religion nicht zugethan sind, ihre Häuser und Aecker zu verkaufen, wogegen Wir aber auch zu den
Impetranten das allergnädigste Vertrauen hegen, daß dieselbe sich als treue, gehorsame und ruhige
Unterthanen verhalten, und sich überall dieser Königlichen Gnade und Schutzes würdig machen
werden.
Wir befehlen demnach Unsern Schlesischen Oberen Landes-Colegiis hirmit gnädigst, diese
Concession des fördersamsten zum Effect zu bringen und die Impetranten dabei überall zu
schützen.
Zu mehrerer Urkund und Wir dieselbe höchst Eigenhändig unterschrieben, und mit Unserm
Königlichen Gnaden-Siegel bedrücken lassen.
So geschehen und gegeben Berlin, den 24. Juni 1750.
Friedrich
W. F. von Podewils."


Zu gleicher Zeit wurde mit Genehmigung des Königs und unter Aufsicht der Königl. Kriegs- und
Domainen-Kammer zu Breslau mit der Evangelisch-Reformiert-Böhmischen Gemeidne früher zu
Münsterberg nachstehende Kauf- und Verkaufverhandlung mit der Stadt Strehlen unterm 30. April
1749 abgeschlossen:
"Die Repräsentanten und Magistrat der Stadt Strehlen einer, und der Evangelisch-Reformirten
Böhmischen Gemeinde zu Münsterberg, deren Vorsteher und Deputirten andern Theils
nachstehender Rechtsbeständiger Erb-Kauf und Verkauf abgehandelt, geschlossen und vollzogen
worden.
Es verkaufen oben besagter Magistrat und Repräsentanten der Stadt Strehlen an die EvangelischHussinetzer

Reformirte Böhmische Gemeinde zu Münsterberg die ihr eingenthümlich zugehörige Zwei
Vorwerke, nähmlich das sogenannte Ober- und Untervorwerk in der Altstadt, mit allen ein- und
zugehörigen Rechten und Gerechtigkeiten, welche die zugehörigen Rchten und Gerechtigkeiten,
welche die Gemeidne Stadt und ihre vorfahren nach Inahlt der alten kaufbriefe und Schöppenbücher
wirklich besessen und genossen auch besitzen und genießen sollen, insbesonderheit mit den dazu
gehörigen Zwei Wohngebäuden, vier Scheuern Stallungen und er Schäferei, welche Gebäude
sämmtlich in der Feuer-Societät auf 2075 Rthlr. gewürdigt und angesetzet worden, sowie auch allen
demjenigen, so darinnen Erd-, Nied-, Mauer und Nagelfest ist, ferner den dazu gehörigen Aeckern,
deren Aussat über Winter und Sommer ind. des Brachfeldes in circa 90 Malter oder 1080 Scheffel
Breslauisches Maas beträgt, deren Rainen und Grenzen, Breiten und Längen in einen besondern
aufzunehmenden Riße und darüber auszufertigender Charte künftig und bei der Tradition näher
gehörigen 4 Gärten, deren einer hinter dem Niedervorwerke, der andere hinter dem Obervorwerke,
der dritte hinter der sogenannten gällerei, und der vierte mitten im Dorfe liegt. Auch ferner mit den
dazu gehörigen Garten und dem in diesem befindlichen Acker-Stück. Ferner dem Sau-Teich, dem
Mühlgraben oben und unten der Dammmühle, insoweit nämlich sothaneer Graben von dem
sogenannten Ließloche an bis zum großen Wehr der Stadt gehört, wie auch der Fischerei in diesem
Mühlgraben, so die Stadt von dem gedachten Ließloche an bis zum großen Wehr privative, von da
aber bis zur Stiegauer Grenze mit mder Niclasdorfer Herrschaft jederzeit gemeinschaftlich exercirt
und genossen hat, hiernächst mit den zu deisem Vorwerke gehörigen Waldungen Huttung, der
Ziegenberg genannt, ingleichen mit dem auf den Vorwerksäckern befindlichen Steinbruche und
endlich mit allen vorhanden Wirthchafts-Nothdürften an Wagenfarth, Ackerzeuge, Geschirre,
Eiserne, Kupferne und andere Holzwerke, besonders aber 500 Schafe, 24 Kühe und einen Stier, 16
Pferde, auch 5 Stück Schwarzvieh und allem vorräthigen Flügel-Werke, wie solches in und
aufgezeichnet ist, für und um ein behandeltes Kauf-Geld von zehntausend Fünfhundert Rthlr.
nämlich den Rthlrt. zu 24 ggr., den ggr. zu 12 Pfennigen gerechnet, welches Kaufgeld demnächst
von dem Magistrat unter Direction und Aufsicht einer hohen Krieges- und Domainen-Cammer zum
anderweitigen Behuf und Nutzen der Gemeinen Stadt angewendet wird.
Und da Käufer diese Vorwerker in eben der Qualität als sie Verkäufer besessen, kaufen, so versteht
sich nicht nur die Befreiung von Unterthänigkeit von selbst, sondern es bleiben auch dieselben nach
wie von der Juristiction einer hohen Krieges- und Domainen-Cammer unterworfen, und dwird
höchstdieselbe besondern Unständen nach ihren Käufern nicht nur eigene Gerichte sindern auch
eine Direction ihrer Colonie verordnen.
Wie nun demnächst die Vorwerker von dem 1. Juni jetzt laufenden Jahres tradirt und eingeräumt
wird, auch Ihnen die dazu gehörigen Pertinenziehen nebst deren richtigen Grenzen mittels einer
darüber aufzunehmenden Charte näher ausgewiesen werden sollen. Also ist wegen Bezahlung der
Kauf-Gelder selbst folgendes festgesetzt und verabredet worden, nämlich: es stipulieren Käufer
sogleich oder doch längestens a dato binne 14 Tagen 2000 Rthlr. von ihren in Holland und in der
Schweiz gesammelten Geldern als ein Angeld an die Königl. Landrentei baar zu erlegen und
daselbst zu deponiren hiernächst in Terminae Traditionis eine Summe von 5000 Tht. inc. deren in
den Königl. Landen für sie gesammelten und in der gedachten Landrentei sich schon befindlichen
Collecten-Geldern, welche für das Strehlische Etablißement eine Summe von 1882 Rth. 16 ggr. 7
Pf. betragen in guten gangbaren und nicht verrufenen Münzsorten zu bezahlen.
So viel aber die rückständigen 3500 Rth. betrifft, so versprechen Verkäufer solche den Käufern so
lange gegen landesübliche Verzinsung zu 6 Procent auf den verkauften Vorwerkern Subhexu
Hypotheque stehen zu lassen, bis sie eine anderweitige Collecte in Holland und in der Schweiz
zusammengebracht und sich solchergestalt un Stande befinden, sothanen Rückstand abzuführen,
jedoch daß dieselbe inzwischen ihren Verkäufern eine ordentliche Hypotheke bei einer hohen
Kreiges- und Domainen-Cammer constituiren und donfirmiren lassen hiernächst so übernehmen mit
dem Tage der Tradition, die auf diesen Vorwerkern haftende Königl. Steuern á 294 Rth. 20 ggr.,
davon ihnen ein Extract aus dem Steuer-Cataster zugefertigt werden soll, um solche monatlich mit
24 Rth. 13 ggr. 8 Pf. gehörigen Orts abzuführen.

Die Käufer stipulieren und entsagen auf diesen erkauften Grundstücken keine Bierbrauerei und
Brennerei anzulegen, desgleichen keine Prefessionisten, um den Strehlener handwerkern keinen
Schaden zuzufügen, Käufer können zwar schlachten und backen für ihre Familien, aber nicht nach
der Stadt zu verkaufen."
Das sind die Hauptpunkte des zwischen der Stadt Strehlen und den evangelisch-reformierten
böhmischen Ansiedlern geschlossenen Kauf- und Verkaufscontracts der beiden Vorwerker in der
Altstadt.
Der gerichtliche Kauf ist vom König und der Königl. Krieges- und Domainenkammer genehmigt
am 30. April 1749 von den betreffenden Intressenten unterzeichnet. Die Zahl der Kolonisten
bestand aus 147 Familien als sie von Münsterberg nach Strehlen gezogen, da sie sehr arm waren,
und zum Bau des anzubauenden Dorfs die Anfuhr des Bauholzes einige Jahre Zeit bedurfte, so sind
die Kolonisten in der Lage gewesen, anderweitige Arbeit zu suchen, als Klafterschlagen,
Steinbrechen, Dreschen und dergleichen, endlich war im Jahre 1752 das neue Dorf mit Namen
Hussinetz erbaut, und waren den 10. September 1752 nach genauer Volkszählung 152
Familienväter mit einer Personenzahl von 549.
An Steuern jährlich 295 Rth. 8 sg.
Zinsen an die Königl. Kammer 100 " - "
An die Strehlener Kämmerei Zins 180 " - "
dto. 5 " 8 "
Schulmeister 16 " - "
Gemeindehirt 12 " - "
------------------------
Summa: 608 Rth. 16 sg.
Außerdem hat der König der Gemeinde Hussinetz ein Darlehen 2000 Rth. gegen 5 Prozent Zinsen
bewilligt, diese 2000 Rth. haben des Königs Majestät nach Beendigung des siebenjährigen Krieges
den Kolonisten geschenkt.
Die erkauften Äcker waren im höchsten Grade unkulitviert, und es kostete unsägliche Arbeit, die
Berge und den steinigen Boden kulturfähig zu machen. Da die Feldfrüchte noch sehr gering waren,
haben sich die Kolonisten oder ein Teil derselben am Winter besonders mit Wollspinnen für
Berliner Fabriken beschäftigt. Als Kuriosum führe ich an, das auf dem sogenannten Ziegenberge
die auf demselben wildwachsenden Wacholderbeeren im Jahre 1728 für 2 Gulden 24 Crtz.
verpachtet waren.
Im Jahre 1755 kaufte das Dorf oder Kolonie Hussinetz die große, mittlere und niederen
Ziegenteiche, 21 Mrg. 41 qm von der Königl. Kammer für 32 Rth. 20 Sgr.
Am 8. Juni 1749 wurde von dem angstellten Prediger Blanitzky in der Kirche zu Altstadt zum
ersten Mal gepredigt. So entstand das Dorf Hussinetz.
"Designation
der zu Hussinetz bei Strehlen neu etablirten böhmischen Familien-Väter.
Georg Wolter Wenzel Nemetz
Stephan Fanta Johann Kopatschek
Georg Kupka Anton Marek
Georg Knorrek Mathias Aust
Johann Jäkel Nikol. Heizmann
Johann Hanusch Anna Laschtowsky
Dorothea Hawatschek Paul Rybnik
Michael Heislar Martin Pellischek
Joseph Basche Wenzel Jawurek
Wenzel Glanz Tobias Tscherny
Wenzel Matitschka Daniel Tscherny
Johann Strsibrny Mathias Merward
Johann Knorrek Nikolaus Fleger
Paul Hanusch Paul Wawra
Mathias Richetzky Johann Schwarz
Mathias Nowak Maria Schwabkyn
Johann Merward Wenzel Stranofsky
Johann Sowak Georg Honzik
Maria Fanta Anna Podhaisky
Johann Prazan Martin Francous
Nikolaus Taraba Marek Hlawatschek
Elisabeth Hamersky Johann Wlasek
Franz Falteischek Franz Stranowsky
Nikolaus Pech Georg Kupka II
Georg Schwarz Martin Papst Opocny
Wenzel Horak Johann Jäkel II
Joseph Schindler Johann Wannecky
Elisabeth Nawratesky Johann Matejsek
Wenzel Franz Georg Liebal
Franz Mundil Philipp Kouba
Georg Sielka Rob. Krtschil
Franz Hagel Martin Duschek
Anna Reisek Georg Glanz
Martin Knorrek Georg Benesch
Mathias Celachowsky Magdalena Jäkel
Maria Kaleskin Johann Prusch
Anna Hulka Johann Isop
Jakob Matzek Johann Weselowsky
Joh. Wetwicka Wencel Hagel
Joh. Prochaska Johann Pumnier
Georg Nowak Mathias Matejka
Joh. Richetzky Georg Kupka III
Martin Poschoik Georg Strsibrny II
Ludomilla Teschars Johann Strsibrny II
Joh. Machatschek Wenzel Sakrawsky
Elis. Cecholfsky Elisab. Kipry
Joh. Duschek Georg Hulka
- Meslewsky Georg Lacina
Karl Taraba Michal Skorowoni
Wilhelm Willimek Mathias Pultarek
Joh. Jawurek Ludomila Woitech
Maria Ruzicka Johann Franz
Tobias Duschek Wenzel Nemetz II
Nikol. Krtschil Johann Matejcek
Joh. Laschtowsky Johann Schreiber
Paul Petrasky Wencel Peter
Maria Matischka Wencel Samek
Joseph Hubatschek Johann Moses
Hussinetzer Chronik des Heymann Ehrlich (1868), Seite 6 von 12
Joh. Komarek Kakob Kouba
Wencel Basche Mathias Matejka
Melichor Karlitschek Joh. Brautschek
Mathias Nejedli Nikol. Meslezky
Barbara Frieslin Joseph Hradetzky
Mathias Liebal Maria Walaschek
Nikolaus Kupka Johann Franz
Johann Prusch Elis. Standerka
Nikolaus Burian Maria Kosazka
Franz Sylwar Nikol. Schwarz
Franz Stanek Elis. Tauschki
Mathias Kipry Ludom. Siegmund
Katharina Galesky Mathias Fischer
Tobias Jandera Joseph Dotschkal
Martin Dotschkal Georg Stroptarch
Maria Strsibrny Maria Kulhawa
Elisabeth Jäkel Veronika Matloulek
Rudolph Delesal Adam Dawid
Joh. Kratochwil Jakob Hanusch
befinden sich Familien-Väter 155.
Blanitzky
Prediger
Hussinetz bei Strehlen, den 8. Dezember 1750."

Nachdem die Äcker und Grundstücke und Wald und Wiesen pazelliert, die Kultur befördert, die
Kolonisten die Wollspinnerei betrieben, auch schon Webstühle in Betrieb setzten, hat die
Bevölkerung durch abermalige Einwanderer aus Böhmen dermaßen zugenommen und vermehrt,
daß das Dorf Hussinetz nicht mehr im Stande war, fremde Einwanderer aufzunehmen.
So geschah es denn, daß im Jahre 1764 die Königl. Kriegs- und Domainenkammer das dem Fiskus
gehörende Vorwerk Mehltheuer, Amts Strehlen, die Äcker, Wiesen, Viehstand gegen eine Erbpacht
überlassen.
"Erbliche Verschreibung von den 70 Familien, die das Vorwerk Mehltheuer, Amts Strehlen, bebauen.
Da auf bittliches Ansuchen verschiedener böhmischen Familien hat die Königl. Krieges- und
Domainen-Cammer unterm 10. Mai 1764 das Vorwerk Mehltheuer, Amts Strehlen, ihnen zum
Bebauen überlassen, und den 7. Juni bereits mit sämmtlichen Acker-, Vieh- und Feld-Inventario
übergeben lassen, auch darüber eine erbliche Verschreibung auszufertigen befohlen, so hiermit bis
auf Aprobation geschiehet.
Nach denen deshalb verschiedentlich verhandelten Acten empfingen:
1. diese 70 Familien das Vorwerk Mehltheuer und Stock-Teich zu erb- und eigenthümlichen
Rechten, welche insgesammt enthalten:
Hussinetzer Chronik des Heymann Ehrlich (1868), Seite 7 von 12
818 Morgen 4 ¨ R. Urbarland
113 " 134 " Wiesen
61 " 78 " Unland
20 " 132 " Gartenland im Dorf
-----------------------------------
1013 " 168 " Mehltheuer Magdeburger Maß,
180 ¨ R. auf einen Morgen gerechnet, und geben von allen diesem ihren künftigen wahren Eigenthum, welches sie bebauet, und nach Gefallen verkaufen können, ganz und gar kein Kaufgeld.
2. Das ganze Inventarium, welches am Vieh 1241 Rth. 12 Sgr. 2 4/5 Pf. beträgt, ist ihnen nebst
den zu Winter und Sommer bestellten Feldern auch verschiedenen nicht taxirten Acker-
Geräthen umsonst überlassen worden und haben nach der vorgenommenen Ausgleichung
bekommem:
84 Schfl. Weizen --- Schfl. 4 Mtz. Hirse
248 " Roggen --- " 10 " Wicken
29 " Gerste 3 " 10 " Leinsamen
351 " Hafer --- " 8 " Senfkörner
5 " Erbsen
als vollständig bestellt und besäet.
3. Jede Familie erhält zum der nöthigen Gebäude, weil Bruchsteine vorhanden sein, für alle-mal
20 Stück Bauholz mit dem Abraum aus dem Königl. Walde ganz frei und umsonst.
4. Diese 70 Familien sollen anfänglich unter dem Namen Neu Podiebradt ein neues Dorf
erbauen, weil sich aber dabei viele Schwierigkeiten finden, so haben sie die Erlaubnis erhalten,
nun 3 Dörfer zu bauen und soll
Ober Podiebrad aus 24
Mittel- " " 22 und
Nieder- " " 24 Wirthen
bestehen, die so viel es thunlich ist, gleiche Gründe bekommen haben.
5. Für alle diese Realitäten und Nutzungen zahlen sie den bisherigen Betrag mit 1315 Rth. 8 ggr. und führen diese Summe in Quartal Ratis prompt an das Amt Strehlen ab, der jährliche Grundzins gehet von Trinitatis zu Trinitatis.
6. Dagegen seien sie von allen übrigen landesherrlichen Abgaben als Steuern etc. und
herrschaftliche Pflichten frei, weil die Steuern vom ganzen Amt in einer Summe berichtigt
werden. Sollten sie künftig zu den Steuern indilidualiter gezogen gezogen werden, so gehet
das, was sie alsdann an Contribution entrichteten, vom dem vorbenannten erblichen Grundzins ab.
7. Die Fourage-Lieferungen, Kavallerie-Verpflegung, Einquartirung, Vospann, und was
dergleichen allgemeine Landespflichten sein, müssen sie in der Art, wie die Königl.
Vorwerker preustiren.
8. Weil sie gänzlich freie Leite seien, und ganz und gar keine Dominial-Dienste verrichten, auch
kein Hofgesinde stellen, müssen sie bei Kauf- und Erbefällen so wie die sonstigen Freien die
Laudennengelder entrichten.
9. Sie seien der Amts-Jurisdiction unterworfen, welches mit Aprobation der Königl. Krieges- und
Domainen-Cammer die Richter einsetzt, wogegen die Gemeinde die Aeltesten selbst erwählt.
10. Diejenigen, welche auf den Vorwerksgärten in dem alten Dorfe bauen, stehen der sonstigen
vielen Streitigkeiten wegen in alten Dorfs-Pflichten unter dem Scholzen zu Mehltheuer,
genießen indeß die ihnen hiermit versprochenen Wohltaten und Freiheiten.
11. Weil die drei Felder nicht von gleicher Güten, bleibt der ganzen Gemeinde frei, den zu erlegenden Zins einmal von allemal unter sich zu reguliren, es muß aber dem Amte die Nachweisung davon nach den Nummern, womit jede Stelle unveränderlich zu bezeichnen, mit dem Namen des jetzigen Besitzers, dessen Acker und Wiesen und davon zu erlegenden Zins eingereicht werden.
12. Weil das Amt die nöthigen Bruchsteine und Lette aus dem Umlande dieses gewesenen
Vorwerks genommen hat, und dergleichen in den übrigen Amts-Bemeidnen nicht zu findn ist,
so wird, was das Amt hiervon zum Bau brauchte, reservirt, ohne daß die Colonisten eine
Bezahlund davon fordern können, die zum Brechen der Steine und Grabung der lette nöthigen
Leute gibt das Amt und halt selbige an, den Feldfrüchten keinen Schaden zuzufügen.
13. Wenn die drei Dörfer in Ordnung und bebaut seine, wird in jedem dorfe ein besonderer Richter angesetzt, der alsdann eine vidimirte Abschrift dieser Verschreibeung empfängt, das Original aber bleibt in Ober-Podiebrad.
14. Weil die 70 Familien gleiche Freiheiten haben, und eine Hauptverschreibung erhalten, müssen
sie in Ansehung des Grundzinses alle vor einen und einer vor alle stehen, weshalb die richter
und Aeltesten einer jeder Wirthschaft wohl beobachten und falls einer aber def andere schlecht
wirthschaften sollte, müssen sie es gleich, wenn die Erinnerungen nicht helfen, dem Amte
Anzeigen, und einem anderen Wirth präsentiren, der der Wirthschaft besser vorstehe, welches
auch besonders bei dem jetzigen ersten Aufbau, worinnen viele noch sehr säumig sein, zu beachten ist.
15. Richter und Aeltesten die Bewohner zum fleißigen Spinnen anhalten, auch selbst darin mit
gutem Exempel vorgehen.
16. So wie jedes Dorf seine apparte Gerichte bekommt, so muß es ach einen besonderen
Schulmeister habenm, wozu soviel es thunlich, einer zu wählen, der das Spinnen oder Wirken
gut versteht, und des Tages eine Stunde darin unterrichtet.
17. Wenn die Nummern der Stellen und der Zins regulirt werden, erhält ein jeder eine
Verschreibung vom Amte, worinnen die Nr. der Stelle, die Morgenzahl und der Zins deutlich
ausgedrückt wird.
18. Bei allen nachherigen Käufen und wenn jemand durch Erbschaft ein Gut bekommt, konfirmirt
das Amt die darüber ausgefertigten Instrumente.
19. Falls die Grenzen nicht deutlich genug oder gar unrichtig sein sollten, wird es band nach
Erhaltung dieser Verschreibung dem Amte angezeigt una Alles in Richtigkeit zu setzen.
20. Weil eine solche Gemeinde nicht ohne dorfordnung bestehen kann, so wird das Amt mit
Zuziehung der Gemeinde entwerfen und zur Approbation der Königl. Krieges- und Domainen-
Cammer einsenden. Zu mehrerer Sicherheit ist diese Verschreibung von dem zeitigen
Amtmann und justitiaru auch den Richtern und Aeltesten unterschrieben.
So geschehen Strehlen, den 7. April 1766.
Königl. Preuß. Amt hierselbst.
Johann Minkner, Ander, Amts-Justitiari.
Matej Dockal. Joh. Dockal.
pp. pp.
Vorstehende unter Approbation der Königl. Breslauischen Krieges- und Domainen-Cammer von
dem Amte Strehlen ausgefertigten Erbverschreibung für die 70 böhmischen Kolonisten-Familien,
denen das Vorwerk Mehltheuer jetzo Neu Podiebrad nebst dem Stockteiche zur Bebauung erb- und
eigentümlich überlassen worden, wird in allen ihren Punkten und Klauseln hierdurch confirmirt und
bestätigt.
sig. Breslau, den 28. April 1766.
Königl. Preuß. Bresl. Krieges- Und Domainen-Cammer. pp. pp. pp. "
Durch den umstehenden Ankauf von Ländereien vom Fiskus entstanden nun die drei
zusammenhängenden Kolonien der evangelisch-reformierten böhmischen Gemeinden Ober-, Mittel
und Nieder-Podiebrad. Obgleich der Erbpachtzins auf 1315 Rt. und 8 Sgr. festgessetzt war, wurde
er doch am 28. April 1766 bis auf die Summe von 1000 Rth. erlassen und festgesetzt. Mehltheuer
bestand, nachdem die Ländereien an die drei Gemeinden verkauft worden, noch aus 4 Bauerngütern
und 10 Gärtnerstellen. Auch diese vier Bauerngüter kauften die drei Dörfer Ober-, Mittel- und
Nieder-Podiebrad an sich. Die zehn Gärtnerstellen bilden bis heutigen Tages die Gemeinde
Mehltheuer, jedoch sind von den Gärtnerstellen wieder vier von den böhmischen acquiriert.
Die in Mehltheuer befindlichen böhmischen Bewohner gehören im kirchlichen Verbande zu den
vier Gemeinden der erwähnten böhmischen Kolonisten.
Ich komme nun endlich zum fünften Dorfe Pentsch. Diese böhmischen Kolonisten kauften im Jahre
1801 von dem Komerzienrat Wildegans das Rustikalgut zu Pentsch für eine Kaufsumme von
25.500 Rth., dazu gehören 504 Morgen Acker, Forst und Wiesen, teilen diese Grundstücke in 50
Parzellen. Da aber keine 50 Familienväter da befindlich waren, so kaufte 1806 ein Deutscher
namens Becker viele Parzellen. Daher bestand damals wie heute das Dorf Pentsch aus böhmischreformierten
und aus Deutschen. Die böhmischen gehörten zum böhmischen Kirchenverband,
hatten einen Lehrer, der böhmisch und deutsch unterrichtete. Eine Schule war im Jahre 1811
gegründet, bis zum Jahre 1830 war deutsch und böhmisch unterrrichtet worden. Von da ab wurde
der Unterricht in böhmischer Sprache verboten, später aber, 1845, laut Ministerialerlaß wieder
erlaubt. Die Oberaufsicht dieser Schule hat der böhmische Geistliche. Die deutschen Einwohner zu
Pentsch gehören zum Kirchenverband zu Strehlen.
Zu bemerken ist, daß in dem nahen Dorfe Töppendorf eine bedeutende Einwohnerzahl aus
böhmisch evangelisch-reformierten besteht.
Ich komme nun zum sozialen Leben dieser Kolonisten. Sie sind ihren alten Sitten treu geblieben.
Ihr moralisches Leben
In der Häuslichkeit herrscht Reinlichkeit, Fleiß und Frieden. Es finden sich selten Trunkenbolde
unter ihnen, obgleich sie hin und wieder einen Schnaps trinken. Musik und Tanz ist verpönt, weder
bei Hochzeiten noch sonst bei feierlichen Gelegenheiten ist Musik. Kommt die Jugend zusammen,
so wird gesungen. Von Verletzung der ehelichen Treue hört man selten. [Der] Verfasser dieser
Schrift bewegt sich unter diesem Völkchen fast 50 Jahre; in diesem halben Jahrhundert ist nur ein
einziger schwerer Kriminalfall vorgekommen, und zwar ein junger, charmanter Mensch namens
Lellek hatte einen unerlaubten Umgang mit einer Witwe, die in anderen Umständen gewesen sein
soll. Nun hatte er ein schön reiches Mädchen, die er heiraten wollte. Die Furcht, daß der Umgang
jener Witwe ihm in der Heirat hinderlich sein werde, [überkam ihn; so] faßte er den unglücklichen
Entschluß und erdrosselte die Witwe. Er wurde zum Tode verurteilt, aber einige Tage vor der
Hinrichtung starb er im Gefängnis zu Brieg. Außer kleinen Holzdiebstählen und einigen Jagtfreveln
hört man von keinem Einbruche und Diebereien. Von unehelichen Kindern hört man deshalb
weniger, weil die jungen Weber sich sehr leicht selbständig machen können.

Beschäftigung
Die Beschäftigung der böhmischen Kolonisten besteht in Ackerbau und Weberei; sowie die Knaben
und Mädchen das vierzehnte Jahr zurückgelegt haben, lernen sie die Weberei. Diese besteht in [der
Verarbeitung von] baumwollenen Garn zu Kattun und Kittel, weiß, auch bunt.
Diese fertige Ware wird teils nach Breslau, teils nach den großen Fabriken in Bielau und
Peterswalde verkauft. Bis zum Jahre 1830 war der Verdienst so gut, daß mache Weber 2-3 Rth.
verdienten, von jener Zeit ist der Verdienst so klein bis nicht ein Taler die Woche, daher die Weber
ein sehr dürftiges Leben führen. Die Bevölkerung ist gesund, wohlgebaut und fröhlich, aber von
großer physischer Kraft kann nicht die Rede sein, weil sie keine kräftige Nahrung wegen dem
schlechten Verdienste sich anschaffen können. Der in Hussinetz wohnhafte Fabrikant Fritz Smolla,
der an die Weber das rohe Material verteilt, dieser intelligente Mann erbaute im Jahre 1863 ein
Fabrikgebäude von einigen hundert Stühlen der neuesten Konstuktion mit einem Kostenaufwand
von ca. 30.000 Rth., wodurch ein besseres Fabrikat bereitet wird. Die Mädchen weben ebenso wie die Jünglinge.
Der Boden wird durch Kühe bearbeitet. Die Gebäude sind bei den Kolonisten durchweg von Stein
erbaut und mit weicher Bedachung.
Sämtliche fünf Dörfer gehören unter die Gerichtsbarkeit des Kreisgerichtes zu Strehlen, außerdem
unter dem Landratsamt zu Strehlen, Herr Landrat von Lieres und Wilckau. Der zur Zeit fungierende
böhmische Pastor [ist Herr] von Tardy, der aber das "von" bei der Unterschrift nicht führt.
Bei der Volkszählung von 1867 bestand die Bevölkerung in
Hussinetz aus 1275 Seelen ind. 85 Dtsch.
Ober-Podiebrad " 292 " " 9 "
Mittel-Podiebrad " 416 " " 32 "
Nieder-Podiebrad " 199 " " 8 "
Pentsch " 111 "

Hochzeitsgebräuche
Nachdem ein Heiratskandidat bei den Eltern des Mädchens um die Hand den Antrag gestellt und
eine allseitige Einwilligung erfolgt ist, wird am nächsten Sonntag die Verlobung und resp. Hochzeit
in der Kirche verkündigt. Sofort geht das Brautpaar in Person die Gäste einzulanden. Zugleich
werden ernannt zwei Jungfern und zwei Junggesellen. Die Jungfern gehen zur Stadt, um Sträußchen
Blumen und Bänder zu kaufen, um die Junggesellen am Hochzeitstage zu schmücken, wofür die
Junggesellen einiges Getränk verabreichen.
Zwei Tage vor der Hochzeit beim Kuchenbacken kommen die beiden Jungfern wie Junggesellen
zusammen, hier werden dieselben von der Hochzeitsmutter mit Kuchen beschenkt, desgleichen an
Verwandte und Nachbarn Kuchen geschickt.
Endlich ist der Hochzeitstag herangekommen. Die Braut geschmückt mit einem Myrthenkranz,
Kleider feierlich schwarz, die Sträußchen grün und weiß, Bänder grün und weiß, eine weiße feine
Schürze, weißes Halstuch. Der Bräutigam schwarzen Rock, am Hut grüne und weiße Sträußchen,
bunte Bänder an der linken Seite des Rockes nebst einem Rosmarinzweig. Die Brautjungern und
Junggesellen mit roten und weißen Stäußchen und bunten Bändern. So geputzt ist im
Hochzeitshause alles zubereitet, selbst Wagen für einige der Gäste. Eine wichtige Funktion für jede
böhmische Hochzeit ist der Hochzeitsdiener, genannt Druzba; dieser ist in das Zeremoniell
eingeweiht.
Am Tage der Hochzeit ist der Bräutigam im Hause seiner Eltern. Während der Druzba sich zum
Bräutigam begibt, dann um Erlaubnis bittet, den Bräutigam abzuholen, ist im Hochzeitshaus alles
vorbereitet. Nun erscheint der Bräutigam unter Vortritt des Druzba, derselbe wendet sich an den
Bräutigam und der hält eine inhaltsreiche, gut einstudierte Rede, wo die Brauteltern und das
weibliche Geschlecht weinen. Die Braut ergreift die Hand der Eltern, dankt unter Tränen für die
Erziehung und Sorgfalt und bittet die Eltern des Bräutigams, sie als Tochter anzunehmen. Ganz
Hussinetzer Chronik des Heymann Ehrlich (1868), Seite 11 von 12
dasselbe tut der Bräutigam, bei den Eltern der Braut. Hierauf bewegt sich der Zug nach der Kirche,
vor der Kirche ordnet der Druzba, daß erst das Brautpaar, sodenn die Brautjungern und
Junggesellen, hinter ihnen die jungen Gäste und zuletzt die älteren, die männlichen rechts, die
weiblichen links.
In derselben Ordnung werden die Sitze in der Kirche eingenommen. Nach einigen Versen, die unter
Orgelbegleitung gesungen werden, kommt der Herr Geistliche an Gottes Tisch, der Druzba setzt die
ältere der Brautjungfern dem Bräutigam einen Myrtenkranz auf sein Haupt, welcher nach der
Trauung wieder heruntergenommen wird. Ringewechseln findet nicht statt. Der Geistliche legt die
rechten Hände zusammen. Es folgt der Trauungsakt. Nach dieser Kopulation werden einige Verse
gesungen, sodann geht das Brautpaar zu Gottes Tisch und stattet dem Geistlichen ihren Dank ab.
Sämtliche Anwesende gehen in derselben Ordnung, wie sie gekommen, ins Hochzeitshaus, wo die
Speisen durch den Druzba aufgetragen werden. Beim letzten Gerichte, wo der Kaffee getrunken
wird, bringt der Druzba das erste Geschenk der zwei Brautjungfern und Junggesellen der Braut,
sowie die Hochzeitsgeschenke der Eltern und Verwandten. Die Braut dankt für die Liebesgaben,
wobei der Druzba viele zum Lachen bringt. Es werden die Gesangbücher zur Hand genommen und
einige Verse gesungen, beim letzten Vers entfernt sich der Druzba mit dem Bräutigam, da erscheint
die ältere Brautjungfer mit einer älteren Frau, Staroswarbi, die der Braut den Kranz abnehmen und
eine neue, stattliche Haube aufsetzen; mit dieser Handlung ist der Gesang beendet. Gleich darauf
kommt der Druzba mit dem Bräutigam, um sich neben seine Braut zu setzen, dieser will seine Braut
nicht anerkennen, weil der Kranz fehlt; diese Sitte macht viel zu lachen, bis es dem Druzba durch
vieles Zureden gelingt, daß der Bräutigam seine Braut anerkennt. Ungefähr um 1 Uhr nach
Mitternacht hat das Fest sein Ende erreicht, und sämtliche Gäste nehmen ihren Heimweg.
Begräbnisse
Die Begräbnisse sind fast wie die deutschen, nur mit dem Unterschied, daß die Leichengesänge im
Hause des Verstorbenen beim offenen Sarge gesungen werden. Die Begleitung von Posaunenmusik
geschieht öfters bei jugendlichen Leichen. Zu den Begräbnissen wird niemand eingeladen.
Die Geistlichen Seelsorger werden auf deutschen Hochschulen gebildet, auch die Lehrer auf
Seminaren. Die Predigten sind alle in böhmischer Sprache, desgleichen ihre Kirchenlieder. Der
zeitige Pastor, Herr von Tardy, ein alter, sehr geehrter und geachteter Mann, ist auch ein guter
Kanzelredner in rein deutscher Sprache, derselbe ist wohnhaft in der Altstadt. Die männliche
Bevölkerung in den Kolonien können alle lesen und schreiben, die Männer sind gut gewachsen, von
nicht unangenehmer Gesichtsbildung, haben einen natürlichen Verstand und besondere
Gewandtheit, in manchen Fällen auch künstlerischen Sinn. Zur Zeit lebt ein gewisser Stranowsky,
dieser verfertigt Tabaksdosen aus Buchsbaum mit künstlichen Zierarten und kunstreichen Wappen
in erhabener, sauberer Arbeit, wo von weit und breit Bestellungen kommen.
Die weibliche Bevölkerung sind untersetzter Statur, haben vermöge ihrer häuslichen Weberarbeit
einen weißen Tain, fast alle schöne Gestalten, ihre Bekleidung nach alter Sitte ohne Luxus, aber nett
und rein.
Gegenwärtige Lehrer
1. Kantor und Organist Herr Schicha,
2. Lehrer Herr Tschech,
3. Lehrer Herr Böhm.
Zum Schluß noch die Bemerkung, daß im Laufe der Zeit sehr viel böhmisch evangelischreformierte
nach vielen Gegenden sich in Schlesien angesiedelt, z. B. in Friedrichsgrätz bei Oppeln,
Hussinetzer Chronik des Heymann Ehrlich (1868), Seite 12 von 12
bei der Stadt Polnisch-Wartenberg und dergleichen mehr.
In dieser von mir Unterzeichneten verfaßten Geschichte und Chronik mag noch so manches zu
ergänzen sein, da aber über die böhmischen Kolonisten weder eine Chronik noch eine Geschichte
existiert, so war es mir aus einigen Urkunden und Traditionen zusammenzustellen nur möglich.
Geschrieben und verfaßt zu Strehlen im September 1868.
Heymann Ehrlich,
geb. im September 1780.
[Der Verbleib des handschriftlichen Originals (früher wohl Bestandteil der Hussinetzer Bibliothek)
ist mir noch nicht bekannt. Hier diente eine beglaubigte Abschrift des Aufsatzes aus dem Jahr 1945
als Grundlage, die bei Kurt Fleger vorliegt. - Der Verfasser Heymann Ehrlich war Likörfabrikant
und Lotterieeinehmer in Strehlen. Er war der Großvater des Nobelpreisträgers Paul Ehrlich und
starb 1875 in Strehlen.]

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